KI-generierte Darstellung der Bucht von Neu-Bamberg zur Zeit der Schildkrötenfunde vor rund 30 Millionen Jahren

Die Schildkrötenbucht

wenn aus einer guten Idee ein regionales Angebot werden soll.

Wenn man durch Rheinhessen fährt, sieht man sanfte Hügel, Weinberge und kleine Dörfer. Was man nicht sieht: das Meer, das hier vor rund 30 Millionen Jahren einmal war.

Sandstrände, Brandung, ein Kliff, Palmen und eine Lagune, in der Schildkröten lebten – all das gehörte zu einer Landschaft, die heute nur noch schwer vorstellbar ist. Doch es gibt Spuren davon. Schildkrötenpanzer, Palmwedel, Kiefernzapfen und andere Fossilien erzählen von dieser längst vergangenen Zeit.

Einer, der diese Geschichte sichtbar und erlebbar machen möchte, ist Bernd Werner. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Fossilien und insbesondere mit einer Fundstelle in Rheinhessen – der sogenannten Schildkrötenbucht. Aus seinem Interesse und Engagement sind inzwischen Strandspaziergänge, Workshops und eine Publikation entstanden, die die Geschichte dieses besonderen Ortes für andere zugänglich machen.

Denkbar ist noch mehr: etwa die Verknüpfung der Fossilienfunde mit der heutigen Landschaft und der ehemaligen Küstenlinie. Auch digitale Hilfsmittel könnten dabei helfen, die längst vergangene Landschaft wieder vorstellbarer zu machen, bspw. durch den Einsatz von KI.

Solche Ideen finde ich aus Sicht der Regionalentwicklung spannend. Denn irgendwann stellt sich die Frage, wie aus einer guten Idee ein Angebot werden kann, das in der Region seinen Platz findet.

Die Idee ist da. Das Wissen ist da. Engagement ist da. Erste Angebote gibt es auch. Aber wie geht es weiter?

Gerade bei solchen Initiativen ist der Weg in die bestehenden Strukturen nicht immer einfach. Passt das Thema zu den touristischen Zielen der Region? Wer kann das Angebot weiterentwickeln? Wer kann es bekannt machen? Welche Anforderungen muss es dafür erfüllen? Und wer bringt die unterschiedlichen Akteure zusammen?

Das sind Fragen, die sich nicht mit einem großen Konzept schlagartig beantworten lassen. Oft beginnt dies viel kleiner: mit Kontakten, Gesprächen, ersten gemeinsamen Aktivitäten und dem Versuch, eine gute Idee an der richtigen Stelle andocken zu lassen.

Dabei muss auch nicht jedes interessante Angebot sofort professionell vermarktet werden. Zwischen einer engagierten Einzelinitiative und einem fertigen touristischen Produkt gibt es viele Entwicklungsschritte.

Die Schildkrötenbucht ist für mich ein schönes Beispiel dafür. Nicht, weil daraus bereits ein etabliertes touristisches Angebot geworden ist. Sondern weil sich daran zeigt, was mit Beharrlichkeit, Fachwissen und persönlichem Einsatz entstehen kann. Und wie anspruchsvoll der nächste Schritt sein kann, wenn aus einer guten Idee etwas Tragfähiges werden soll.

Das ist auch eine Frage, mit der sich Regionalentwicklung immer wieder beschäftigen muss: Wie können gute Ideen und engagierte Menschen in bestehenden Strukturen anknüpfen und sich weiterentwickeln?

📷 Bildnachweis: Die Bucht von Neu-Bamberg zur Zeit der Schildkrötenfunde – so könnte sie ausgesehen haben. Gemini-KI-generierte Inszenierung von C. Seibel / B. Werner.