
Coworking im ländlichen Raum
Coworking ist nicht erst seit der Corona Pandemie ein populäres Thema im ländlichen Raum. Co-Working Spaces werden gefördert, gefeiert und propagiert. Sie gelten als zentrale Orte der Begegnung, bringen Menschen zusammen und wollen eine inklusive, nachhaltigere Arbeitswelt schaffen.
Neue Arbeitsorte jenseits der Städte
Nachdem in den 2000er Jahren in Deutschlands Großstädten die ersten Coworking-Spaces entstanden, hat sich Coworking auch im ländlichen Raum immer mehr als Alternative zu Büro oder Homeoffice etabliert. Mittlerweile gibt es an die 600 Gemeinden und Städte im ländlichen Raum die Coworking-Spaces anbieten.
Die Nachfrage entsteht hier vor allem aus dem Wunsch nach Gemeinschaft, Austausch und Vernetzung. Aber auch die Kommunen profitieren in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht, wenn Menschen tagsüber nicht in die nächste Stadt pendeln müssen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Und wenn Gäste länger an ihrem Urlaubsort bleiben können, um Arbeit und Freizeit zu kombinieren. Lokale Gastronomie, Einzelhandel und das Image werden gestärkt.
Darüber hinaus können Coworking-Spaces im ländlichen Raum auch als Teil der Grundversorgung wirken, indem sie Angebote wie Poststellen, Dorfläden, Cafés oder Kulturveranstaltungen integrieren. Manchmal lassen sich dadurch solche Angebote auf dem Land erst dauerhaft erhalten.
Meine Erfahrungen aus Coworking in Winzerkeller und Kirchenraum
Dies konnte ich letztes Jahr bei den Coworking-Tagen im Ingelheimer Winzerkeller ausprobieren. Dort arbeitete ich einen Tag lang in einem tollen Ambiente zusammen mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Beim gemeinsamen Mittagessen und der Führung durch den Winzerkeller wurde deutlich: Austausch, Vernetzung und Gespräche bringen neue Ideen und Informationen.
Jetzt bin ich wieder in einem Coworking-Space, der Cafédrale C41 der evangelischen Kirchengemeinde in Drais. Im umgestalteten Kirchenraum gibt es einmal wöchentlich die Möglichkeit ungestört zu arbeiten, sich bei einem Kaffee austauschen oder von anderen motivieren zu lassen. Fürs professionelle Arbeiten ist alles vorhanden, für eine gemütliche Pause auch. An den restlichen Wochentagen ist die Kirche für den gemeinsamen Austausch und Beisammensein geöffnet. Das Angebot wird gut angenommen.
Was ich mitnehme: Coworking-Spaces sind ein interessantes Angebot und können dazu beitragen, den Alltag vieler Menschen vor Ort zu verbessern. Sie beleben Orte, erzeugen Frequenz und bringen Menschen zusammen.
Workation als zusätzlicher Schub für Coworking-Spaces auf dem Land
Der Trend zur Workation, also die Verbindung von Arbeit (work) und Urlaub (vacation), verstärkt die Attraktivität ländlicher Coworking-Spaces, weil er neue Zielgruppen anzieht und flexible Arbeitsformen normalisiert. Für ländliche Regionen mit hoher Lebensqualität und attraktiver naturräumlicher Ausstattung eröffnet Workation die Möglichkeit, Arbeit und Aufenthalt zu verbinden und kann damit saisonale Lücken in Coworking-Spaces füllen.
Förderung und Beispiele aus der Praxis
Bei der Einrichtung von Coworking-Spaces können Kommunen auch selbst aktiv werden und diese aktiv fördern. Unterstützungsmöglichkeiten von Bund, Ländern und EU gibt es zahlreiche, ein Blick in die Suchplattform www.foerderdatenbank.de lohnt sich. In diesem Zusammenhang hervorzuheben ist das LEADER-Förderprogramm der EU sowie die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)“. Bei ersterem setzt jede Region mithilfe von Entwicklungsstrategien ihre eigenen Schwerpunkte. Erste Ansprechpartner sind die LEADER-Regionalmanagements vor Ort.
Coworking-Beispiele aus Rheinland-Pfalz sind der Schreibtisch in Prüm, das MoselWerk in Edingen-Eller oder das Fachwerk Coworking in Stromberg. Zahlreiche weitere Beispiele im ländlichen Raum lassen sich vor allem in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern finden.
Viele Infos gibt es auch auf der #zukunftcoworking, dem Jahreskongress der Coworking Branche, ausgerichtet vom Bundesverband Coworking Spaces in Deutschland e.V.. Der nächste findet am 21.Oktober 2026 in Köln statt -> www.zukunftcoworking.de/

